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Viele Besucher warteten in der Nikolaikirche am Montag Abend den 30.4 um 19:30Uhr auf die zwei spannendsten Vordenker unserer Zeit. Das IZNE, “Göttingen im Wandel e.V. und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen hatten zu dieser ganz besondern Veranstaltung mit dem Titel “Schulen die Sinn haben – ein Zukunftsgespräch” geladen.

Prof. Hüther und Prof. Bergmann tauschen sich im Bahnhofscafé über die Verbindung Schule - Arbeit aus

Dem Podiumsgespräch voraus ging ein Workshop in den Seminarräumen neben der Historischen Sternwarte zum Thema “Neue Arbeit, Neue Kultur in Göttingen”. Wie es der Zufall wollte feierte genau an diesem Tage (am 30.4) der ehemalige erste Direktor der Sternwarte Carl Friedrich Gauß seinen Geburtstag (1777-1855). Bei dem Namen “Gauss” erinnerte sich Prof. Frithjof Bergmann an die GAUSS Seminars der Universität Princeton, USA. Diese Christian Gauss Seminars in Criticism (bezog sich auf den Namensvettern von Carl Friedrich Gauss, nämlich Christian Gauss, der in der Stadt Ann Arbor geboren wurde in der Prof. Bergmann sein Institut hatte) bestehen seit 1949 und als halbjährliche Referenten sind nur hochrangige Experten zum Themenfeld Menschlichkeit geladen wie Erich Auerbach, Hannah Arendt, W. H. Auden, Noam Chomsky, Roman Jakobson, Elaine Scarry, Joan Scott, Raymond Bellour und eben er selbst. Wer bei dem Workshop in Göttingen nicht dabei sein konnte erhält unter folgendem Link einen Eindruck und eine Fülle an Ideen und Anregungen (eine Zusammenfassung aus Salzburg von 2005).

Heute gilt Prof. Bergmann als ein Experte für Arbeit (er diskutierte schon mit dem ehemaligen Arbeitsminister Franz Müntefering oder war Hauptredner auf der Veranstaltung in Detroit zum Jahrestag von Martin Luther King 2012, also in einer Stadt wo über 50% der Einwohner arbeitslos sind). Er konnte Menschen ohne Job in den USA (und auch weltweit) neue Perspektiven bieten, wie z.B. durch das Projekt “ICAN Building System” bei dem unerfahrene Handwerker sich selber ein Haus mit Hilfe eines Gummihammers aus Holzelementen “zusammenstecken” können. Mit anderen gründete er dafür das Zentrum für Neue Arbeit in Detroit schon in den 80ern. Er geht z.B. auch davon aus, dass Bewegungen wie “hightec self providing (Eigenproduktion)” in Zukunft dazu führen, dass wir uns alle Dinge durch “fabbing”, wie mittels des MakerBot, selber herstellen.

Zurück zur Veranstaltung zusammen mit dem bekannten Hirnforscher Prof. Gerald Hüther. Beide Teilnehmer gaben sich abwechselnd das Wort und sprachen über die Themen die sich begeisterten. Es schien so, als ob es nicht nur Gemeinsamkeiten zwischen den Ansätzen beider Forscher gäbe, aber genau das ist das Spannende an dem Abend gewesen. Wie sind die “Schulen die Sinn haben” (Titel der Veranstaltung) und “die Arbeit die Sinn hat” ausgeprägt? Wo ist die Verknüpfung? So komplex diese Themen auch sind, beide näherten sich stetig aneinander an und flochten gegen Ende auch gezielt Fragen aus dem Publikum mit ein. Es gab zum Schluss genau wie 2010 in Österreichs Zukunftsakademie SPES sogar auch eine Umarmung. Die ganze Veranstaltung wurde gefilmt und erscheint demnächst auf DVD.

Alles in allem gibt es nach dem Workshop schon einige Interessenten, die gerne weiter an dem Thema “Neue Arbeit, Neue Kultur” dranbleiben wollen. Wer sich ebenfalls dafür interessiert schreibt bitte an folgende Emailadresse: sebastian@tt-goettingen.de

Auch auf der Ebene Hüther – Bergmann wird zukünftig intensiver zusammengearbeitet, z.B. wurde dafür auch Prof. Bergmann in den Stiftungsbeirat der Sinn-Stiftung aufgenommen. Dabei freuen wir uns nun auf weitere Zukunftsgespräche in Göttingen mit den beiden sympathischen Impulsgebern. Vielleicht dann zum Thema genau platziert zwischen Schule und Arbeit: “Universitäten die Sinn haben”!

 

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