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in der Freien Waldorfschule, am 9. November 2014

Es war ein kühler, sonniger Novembermorgen, der 25. Jahrestag des Mauerfalls. Und dann auch noch ein so schwerwiegendes Thema. Wir, die Organisatoren, der „Offene Initiativkreis Organspende Göttingen“, waren einigermaßen überrascht, daß über 100 Menschen gekommen waren.
In einem Eingangsreferat war mir wichtig, einen Bogen zu spannen von der allgegenwärtigen medizinischen Überversorgung in der (Kinder-) Sprechstunde (Impfen, Antibiotika) zu den Auswirkungen, die dieser permanente Angriff auf das Immunsystem zeitigt, im schlimmsten Fall auch eine Transplantation. Ich hatte im Vorfeld der Veranstaltung die Gelegenheit, von einer organtransplantierten Frau zu erfahren, daß ihre Transplantation zu verhindern gewesen wäre, wenn sie „als Kind nicht mit Medikamenten abgeschossen worden wäre“. Der Organspendeskandal bietet meiner Ansicht nach die Chance, sowohl unser gewinnorientiertes Gesundheitssystem als auch prinzipiell das (seelenlose?) Menschenbild zu hinterfragen.

Die Bundesregierung behauptet, daß es „zum Hirntodkonzept keine Alternative gibt“.
Wir hatten die Ärztin Frau Dr. Regina Breul deswegen eingeladen, weil sie als Expertin für Hirntod detaillierte Aussagen macht zur Unhaltbarkeit dieser Todesdefinition. In ihrem Vortrag hat sie dafür wissenschaftliche Fakten dargelegt, z.B. die Schwierigkeit der Diagnosestellung, die eigentlich schon eine Vorbereitung für eine Organentnahme bedeutet, weil wichtige therapeutische Maßnahmen dabei ausgesetzt werden. Sie berichtete von Menschen, die nach Hirntoddiagnose wieder vollständig gesundeten. Bei der Erfindung der Definition 1968 durften beim sogenannten Toten keine Bewegungen mehr stattfinden, inzwischen sind aber über 15 „Bewegungeseflexe“ (wie verharmlosend gesagt wird) erlaubt, die manchmal jedoch als deutliche Abwehrbewegungen bei der Explantation zu erkennen sind. Frau Breul erzählte noch, daß heute die Erfinder der Hirntod-Definition von dieser abrücken und deswegen in Amerika schon das „gerechtfertigte Töten“ (justified killing) eingeführt wurde. Spannend war auch noch, daß es im Vatikan im Jahr 2005 eine Konferenz mit über hundert Wissenschaftlern aus aller Welt gegeben hat, die eindeutig die Unhaltbarkeit der Hirntoddefinition bestätigte. Obwohl diese Klarstellung als Erbe Johannes Paul II. anzusehen ist, würde sie kaum kommuniziert. Deshalb hat sie auch ein Buch zu dem Thema herausgegeben.

Herr und Frau Focke sind als Eltern betroffen, weil sie ihren Sohn zur Organspende freigegeben haben. Und später aufgewacht sind: „Ich werfe mir vor, dass ich den Ärzten geglaubt habe, als sie nach der zweiten Hirntodfeststellung behaupteten, unser Sohn sei tot, obwohl er sich in keiner Weise verändert hatte; dass ich ihnen mehr vertraut habe als meinen eigenen Augen. Ich werfe mir vor, dass ich uninformiert eine so weit reichende Entscheidung getroffen habe“, so Frau Focke. Wegen dieser Erfahrung organisierten sie die KAO und üben Kritik an der geltenden “Informationslösung ohne wirkliche Informationen“ und verbinden damit die Forderung nach einer “engen Zustimmungslösung”: Nur wer nach neutraler Aufklärung selbst zugestimmt hat, dürfe als Spender in Frage kommen.
Donatella Abate hatte einen gutes Gespür, als sie sich in der Pause vorher wünschte, den Beitrag musikalisch mit ihrer keltischen Harfe zu umrahmen.

Dann gab es ein wärmendes Mittagessen, von Elisabeth Wieborg und Helferinnen der „Supp-Kultur“ vorbereitet, das bei munterem Gespräch zu guter Verarbeitung des Vorgetragenen einlud.

Am Nachmittag sprachen die anthroposophischen Ärzte Andreas Zucker und Stefan Schmidt-Troschke. Herr Zucker beschäftigte sich vor allem mit der Verantwortung des Arztes. Er nahm Bezug auf den Begriff „justified killing“, der aus der Militärsprache entlehnt sei wo er bedeute, das Töten im Krieg juristisch zu rechtfertigen. Dieses Thema sei mit der Hirntod- und Euthanasiedebatte in die Medizin übernommen worden. Seine Überlegungen gingen dahin, sich und ärztliche Kollegen nicht aus der Verantwortung zu entlassen, weil die wirkliche (Gewissens-) Freiheit im gesamten Organspendesystem vor allem bei dem entscheidendem Arzt zu verorten sei. Herr Zucker erzählte noch von zwei Herz-Patienten, die mit der Frage konfrontiert waren, ob sie sich auf die Spende-Warteliste setzen lassen wollten. Beide lehnten zunächst ab, beiden ging es durch homöopathische Therapie besser (was bei Menschen auf der Warteliste häufiger vorkommt), beide entschieden sich dann doch für eine Transplantation und beide starben genau an dem Tag, als sie den Anruf für ein „neues Herz“ bekamen.
Herr Schmidt-Troschke, heutiger Leiter des anthroposophischen Vereins „Gesundheit aktiv“ war früher jahrelang Leiter der Klinik Herdecke. Er hatte sich kurzfristig entschlossen, bei dieser Gelegenheit die aktuelle Petition in Göttingen vorzustellen. (www.wir-wollen-alles-wissen.de)
Herr Schmidt Troschke brachte mit deutlicher Sprache seine Betroffenheit und den Grund seines Engagements zum Ausdruck: In den letzten Jahrzehnten haben die Lobby der Medizin- und Pharmaindustrie im Verbund mit der Polit-Bürokratie vollständig die Entscheidungsbefugnis im Gesundheitssystem übernommen. Wer auf der Strecke bleibe, weil er schlicht nicht mitentscheiden dürfe, sei der Patient.
Von „Gesundheit aktiv“ brachte er auch noch den gerade fertiggestellten Film „Organspende, Sie entscheiden“ mit, der an (Waldorf-) Schulen verteilt werden soll. (Das ist sicher notwendig! Frau Breul gab mir auf der Veranstaltung den Film „ORGANSPENDE MACHT SCHULE“ der Techniker Krankenkasse, der deutlich zeigt, wie die Lobby unsere Kinder in Beschlag nimmt)

Zum Abschluß des Tages referierte mein Heilpraktikerkollege Wolfgang Emter über die spirituelle Dimension der Organspende. Dabei erwähnte er den Unfall von Michael Schumacher, dem Rennfahrer, der bekanntermaßen mit schwerwiegendem Hirntrauma im Koma lag. „Stellen Sie sich vor, sie bekämen dessen Herz“, das Herz von einem Menschen, der sein Leben lang im Kreis gefahren ist. Wolfgang versuchte den Zuhörern, die Dimension des Schicksals zu erörtern. Im Falle Schumachers habe er sich ausführlich mit seinen von ihm überhörten Warnhinweisen auseinandergesetzt, sprich die vielen Unfälle astrologisch analysiert. In jedem der Un-Fälle seien Saturnaspekte entscheidend gewesen. Saturn als Prinzip repräsentiert das Thema der persönlichen Bestimmung, was soll ich tun und was lassen. Er führe nicht zwingend zu Knochenbrüchen oder Unfällen, aber markiere nachhaltig und gerecht die Abweichung vom persönlichen Auftrag.
Daß die vorherrschende Medizin das „Fehlen“ von Inhalten, Personen und Schicksalszusammenhängen verdrängt indem sie überall nur Symptome bekämpft, Warn-Lämpchen wegoperiert, war der rote Faden seines Beitrags.
(Ein Teilnehmer des Symposiums erzählte noch, daß eine Organtransplantierte ihm erzählt habe, daß sie immer unwillkürlich den Arm heben müsse, wenn ihr ein Mortorradfahrer begegne, was sie vorher nie tat…)

Fazit: Wir bleiben dran.

Ich hatte einen Text der „Wirkgruppe Gesundheit“ ausgelegt, mehrere Interessierte haben sich auf eine Liste eingetragen.
Am Sonntag, den 8. Februar halten Wolfgang Emter und ich einen Doppel-Vortrag zum Thema: „Medizin ohne Heilung – Heilung ohne Medizin“ im Holbornschen Haus von 10-15 Uhr.
An gleicher Stelle spricht am Donnerstag, den 5. März um 20:00 Uhr der Klinikseelsorger Georg Hummler aus Stuttgart: „Die Seele verpflanzen“.
Der Initiativkreis Organspende trifft sich ca. alle 4 Wochen, der Wirkkreis ist im Aufbau.
Alle, die mittun wollen, laden wir ein.
Web-Adressen: http://www.xn--organspende-aufklrung-m2b.de/organspende-aufklaerung-betr-hirntod-tut-not/ und http://www.initiative-kao.de

Stephan Holzhaus, Tel. 0551-7906630 (Wirkkreis Gesundheit)

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